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ten Brink, Armanda

GN vom 02.11.2010

Armanda ten Brink begeisterte als Piaf

500 Zuhörer in Neuenhaus

Von Jörg Leune

Fotos: Gerold Meppelink

500 Zuschauer waren am Samstag zu Armanda ten Brinks Edith- Piaf-Abend ins Forum geströmt, und sie verließen die neunzigminütige Show rundum begeistert. Mit sparsamsten Mitteln hatte Matthieu van den Bos die Bühne wirkungsvoll gestaltet. Seiner Regie verdankte sich der Text des Abends, und er hatte dazu eindrucksvolle Bilder geschaffen. An diesen hatte auch die bekannte niederländische Maskenbildnerin Anneke Besnyoi großen Anteil.

In wechselnden Kostümen trug Hendrik Veldink den erschütternden Lebenslauf der großen Chansonni?re vor. Man hatte Edith die Kindheit gestohlen, und der daraus resultierende Hunger nach Liebe bestimmte ihr ganzes, zu kurzes Leben. Immer wieder gescheiterte Beziehungen, dazu Demütigungen, ständige Erkrankungen, all das ließ sie ihres Lebens nie froh werden. Ihre großen Lieder, ihre Erfolge, die Inspiration, die sie anderen Sängern vermittelte, wurden immer wieder vom eigenen Leiden überlagert.

In großartiger Weise hatte van den Bos diesen elenden Lebenslauf nachgezeichnet. Noch großartiger aber war Armanda ten Brinks sängerische Gestaltung der Figur. Vom entfremdeten Marseillaise-Gesang des Bettelkindes unter der Straßenlaterne über das Sich-Entpuppen des Stars bis zum durch Drogen und Krankheit verursachten Persönlichkeitsverfall spannte sich der Bogen ihrer Darstellung. Dieser Abend war nicht irgendein Piaf-Revival der großen Hits. Er wurde allein durch Armandas Gesang bestimmt, und Edith Piaf spiegelte sich allenfalls in ihr. In perfektem Pariser Französisch, als wäre es ihre Muttersprache, trug sie die Chansons vor. Und darin war so viel Lebenserfahrung gespeichert, wurden solche Emotionen vermittelt, dass es den Hörern den Atem verschlug. Wir haben Armanda ten Brinks große Erfolge als Konzertsängerin, als Pianistin, als Dirigentin und als Musikpädagogin erlebt. Am Sonnabend aber lernten wir noch eine ganz neue Seite ihrer Persönlichkeit kennen. Gelegentlich fühlte man sich in eine Oper versetzt.

Meisterhaft gelang auch die Chansonbegleitung durch Heike Knief (Klavier), Tony Roel (Akkordeon) und Joris Bijleveld (Kontrabass). Zugleich konnte Armanda ten Brink musikpädagogische Früchte ernten. Ihr einstiger Schüler Hendrik Veldink gab nicht nur den überzeugenden Moderator des Abends, sondern trug auch selbst gekonnt Chansons vor, wenn er in die Rolle von Charles Aznavour oder Ediths Partner letztem Partner Théo Sarapo schlüpfte. Und auch ihre neun „Nice Guys“, darunter die erfolgreichen „4 gewinnt“, erhielten ihren Auftritt als „Les Compagnons de la Chanson“, unter anderem mit dem herrlich parodierten Schnulzenhit „Three Bells“, in denen Gerald Geerink einmal mehr als Tenorsolist brillierte. Zur besonderen Ausstrahlung von Armanda ten Brink gehört aber auch, dass sie das Publikum mit knappen Gesten aufforderte, die Refrains von Piafs großen Erfolgen wie „La vie ne rose“, „Milord“ und „Padam…Padam“ mitzusummen.

Mit diesem eindrucksvollen Sängerinnen-Porträt hätten Armanda ten Brink und Matthieu van den Bos auch auf einer größeren Bühne als in Neuenhaus einen nachhaltigen Erfolg gefeiert.

 

Fotos: