Malmsheimer
GN vom 01.03.2011
Lachsalven begleiten Malmsheimers Pointen
Hohe Sprachkunst in unpolitischem Kabarett
Von Jörg Leune - Neuenhaus.
Fotos: Mosch-Wicke
Diesmal nicht im grauen Hausmeister-Kittel, sondern ganz zivil in Jeans und kariertem Hemd steht Jochen Malmsheimer mit dem Mikrophon in der Hand am Bühnenrand und amüsiert die etwa 200 Zuhörer, die der Einladung des Kulturpasses am Freitagabend in die Neuenhauser Aula gefolgt sind. Nebenbei gibt er auch noch Tipps zur Verbesserung der Raumakustik. („Vielleicht findet sich ja auch ein Sponsor aus der Gardinenindustrie“).
Malmsheimers Programm mit dem komplizierten Titel „Wenn Worte reden könnten oder: 14 Tage einer Stunde“ zeigt ihn als Meister der Sprachbeherrschung und wird dabei von Anfang bis Ende durch Lachsalven des Publikums begleitet. Malmsheimer spürt die absurdesten Zusammenhänge auf und bewegt sich dabei inhaltlich durchweg im Alltagsleben. Er erzählt von seinen Kindern, seinen Hunden, vom Besuch im unübersehbaren Toy-Center zum Kauf einer Eisenbahn, zu der ihm noch der Bahnhof aufgeschwatzt wird, von der Widerwärtigkeit und den Gefahren des Bastelns und von Jugenderlebnissen. Nie schont er dabei seine Heimatstadt Bochum.
Was das Publikum besonders anspricht, ist das Hervorrufen eigener Erinnerungen: der erste Kneipenbesuch, der den Jungen zum Mann macht, die Kellerparties im sturmfreien Elternhaus, die damals noch „Fete“ hießen, die Zwei-Liter-Lambrusco-Flasche; das Bier ist ja schon um fünf nach acht alle. Selbst die fast schon vergessene Pril-Blume kommt vor und wird durch das fast sehnsüchtige „Ach ja!“ einer weiblichen Stimme so unnachahmlich kommentiert, dass der Kabarettist selbst lachen muss.
Auffällig ist die Beschränkung auf das rein Private. Von Politik ist in diesem Programm nicht die Rede. Nur zwei Namen bekannter Persönlichkeiten fallen: Bärbel Höhn hat in NRW den umfassenden und damit sinnlosen Leinenzwang für Hunde zu verantworten, und Kardinal Meisner zeigte seine Ignoranz gegenüber dem abstrakten Domfenster von Gerhard Richter.
Dieser Verzicht auf das Politische bedeutet aber einen Verzicht auf einen gewissen Biss. Malmsheimer macht das wett durch die Art seines Vortrags. Oft kann man seinen Assoziationen kaum folgen, so schnell prasseln die Pointen. Und zum Vortrag gehört auch der Wechsel in der Dynamik. Der Wechsel in der Tonlage erinnerte ein wenig an den frühen Hüsch; aber bei Hüsch stand anders als bei Malmsheimer immer das Zeitkritische im Hintergrund. Malmsheimers Witz lebt dagegen häufig von Kalauern. Das Publikum war’s trotzdem zufrieden und hatte seinen Spaß. Vielleicht ist ja der Zeitpunkt gekommen, wo auch ein Kabarettist mal sagen darf: „Zu Guttenberg fällt mir nichts ein“.
Fotos:




