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Dorothee Mields und Ludger Rémy

GN vom 21.10.11

Frühe Liedkunst auf höchstem Niveau

Dorothee Mields und Ludger Rémy verzaubern das Publikum in Lage

 

Von Jörg Leune

Fotos: Gerold Meppelink

Lage. Ein Konzert von internationalem Rang war der Liederabend mit der Sopranistin Dorothee Mields und dem Pianisten Ludger Rémy am Sonntagabend in der Lager Kirche. Dem Kulturpass Neuenhaus war es durch Vermittlung Heinz-Georg Beckmanns gelungen, zwei weltbekannte Künstler zu verpflichten.

Unter dem Titel „Sturm und Drang – Wege in die Romantik“ gestalteten Mields und Rémy ein Programm mit Liedern und Klaviermusik aus dem Zeitraum zwischen 1750 und 1850. In dieser Zeit entstand das klavierbegleitete Sololied und erreichte seinen ersten Höhepunkt. Das Publikum zeigte sich von der hohen musikalischen Leistung tief beeindruckt, und die Musiker dankten freudig dafür.

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Das Programm war in drei Blöcke geteilt „Die Zerbrechlichkeit von Blumen und Liebenden“, „Lachen und Weinen“ und „Zeit und Endlichkeit“. Fünf Lieder von J. F. Reinhardt repräsentierten dessen umfangreiches Schaffen. Reichardt hat die Beziehung von Wort und Ton in besonderer Weise gestaltend entwickelt und damit der Folgezeit den Weg gewiesen. Kaum bekannt sind die Liedkompositionen Chopins, eigentlich wohl eher ein Nebenaspekt seines Wirkens. Sie sind häufig wie die Klaviermusik folkloristisch geprägt, erreichen aber auch eindringliche Dramatik wie in „Polens Grabgesang“. Dazu erklangen drei Werke Mozarts, auch sie eher Nebenwerke, aber doch von inniger Verbindung zwischen Textinterpretation und Klaviersatz. Vor allem ist hier das bekannte „Veilchen“ zu nennen, das aus einer kleinen dramatischen Introduktion heraus mit der wechselnden Stimmung des armen Blümleins bis hin zu dem resignierenden „Es war ein herzig Veilchen“ Goethes Worte eindringlich überhöht.

Dorothee Mields versteht es unnachahmlich, Wort und Ton in Beziehung zu setzen. Ihre wunderbare Stimme vermag auf engstem Raum das Timbre zu wechseln, erfüllt in hoher wie tiefer Lage alle Ansprüche von Text und Musik in gleich beglückender Weise. So gestaltet sie Beethovens „An die Hoffnung“ mit seinen verschiedenen Affekten zu einer Art Mini-Oper. Die Gesangsstimme wird dabei durch Ludger Rémy am Hammerklavier behutsam und inspirierend geführt.

Rémy erklärte, dass sein Instrument eine getreue Kopie von Mozarts Klavier sei und dass das Hammerklavier sicher bis weit ins 19. Jahrhundert hinein noch zur Liedbegleitung in Gebrauch gewesen sei, ehe es vom heutigen Konzertflügel abgelöst wurde. Das Instrument hat einen leiseren und biegsameren Ton als der Flügel, sodass Stimme und Klavier gemeinsam einen besonders harmonischen Zusammenklang entwickeln können.

Rémy erwies solistisch einem seiner Lieblingskomponisten, Carl Philipp Emanuel Bach, in beeindruckender Weise die Ehre. Die Fantasie in C von 1787 stellt musikalische Sequenzen von ganz unterschiedlichem Charakter unverbunden nebeneinander. Man hat den Eindruck, als habe er Beethoven Inspirationen für dessen spätere gebundene Sonaten geliefert. Das „Lamento“ auf den Tod seines Sohnes entfaltet ein immer wiederkehrendes viertaktiges Trauermotiv zu einem kunstvollen Variationen spiel.

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Der letzte Teil des Konzertes wurde von drei Schubert-Kompositionen bestimmt, zu denen die übrigen Werke des Abends gewissermaßen Vorstufen sind. Hatte es vorher noch gelegentlichen Zwischenbeifall gegeben, so war dieser im Themenbereich „Zeit und Ewigkeit“ ganz verstummt. Mit dem „Leiermann“ schloss der ergreifende Liederabend, der nach einer kurzen Pause von wahren Beifallsstürmen beantwortet wurde. Wir haben eine Sternstunde der Musik erlebt.