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Alfons

GN vom 09.12.2009

Alfons spottet über das seelische Befinden der Deutschen

Der Comedian mit dem französischem Akzent belustigte rund 200 Zuschauer in Neuenhaus mit seinen Analysen

Von Marcus Pfeifer

Unter deutschen Komikern war er lange eher ein Exot und ein Geheimtipp, nur den Satire-Liebhabern der NDR-Sendung extra III bekannt. Mittlerweile ist er etwa durch „Verstehen Sie Spaß“ auch einem größeren deutschen Fernsehpublikum vertraut. Am vergangenen Sonnabend belustigte der französische Comedian Alfons mit seinem Programm „Mein Deutschland“ gut 200 Zuschauer in Neuenhaus.

Mit seiner ausgetragenen orangefarbenen Trainingsjacke, seinen fettigen Haaren und natürlich dem riesigen Puschelmikrofon, mit dem der gebürtige Franzose, als deppiger Reporter getarnt, unentwegt dem deutschen Volksmund auf der Spur ist, kehrt er so manche liebenswürdige Schrulligkeit oder auch haarsträubende Beschränktheit zum Vorschein, aber immer so, dass man sich herrlich (manchmal auch über sich selbst) amüsieren kann. Romantik, meint Alfons, beginne für so manche deutsche Ehefrau damit, dass der Ehemann seine Strümpfe wechselt. Mit Genuss recherchiert der Franzose das deutsche Liebesleben und reist Hunderte von Kilometern, um ein älteres Pärchen jenseits der 80 zu besuchen, das nach eigenem Bekunden immer noch verliebt ist wie am ersten Tage: Während der Herr von seiner immer noch beglückenden Libido schwärmt, kommentiert die Partnerin lächelnd, man nächtige schon seit längerem in getrennten Zimmern. Da müsse man sich nicht wundern, wenn die Deutschen keine Kinder mehr kriegen, meint Alfons. Doch er lässt mit guten Ratschlägen nicht lange auf sich warten: So findet er heraus, dass die ein oder andere deutsche Interviewpartnerin für ein zwölfmonatiges TV-Abonnements bereit wäre, ein Kind in die Welt zu setzen. Die größte Verlockung für einen Deutschen, ein Kind zu bekommen, sei es, wenn er dafür ein Formular auszufüllen hätte. Überhaupt werde die Ordnungsliebe und Vorschriftentreue ja bei den Deutschen großgeschrieben: Die Prinzipientreue, mit der Deutsche vor roten Fußgängerampeln stehen bleiben, selbst bei Regen und wenn weit und breit kein Auto zu sehen ist, verleitet ihn zu der Annahme, dass eine Berliner Mauer gar nicht notwendig gewesen wäre: Rote Ampeln hätten es auch getan! Voll des Lobes ist Alfons beim Thema Wirtschaft: Die deutsche Führungsrolle bei Exporten und bei der Anmeldung von Patenten sei genau so lobenswert wie die ganze Unternehmenskultur mit ihren drei Säulen Weihnachtsfeier, Betriebsausflug und fristlose Kündigung.

In seinen Bemerkungen zum Thema Politik beglückwünscht er zunächst sein deutsches Publikum zur neuen Regierungsspitze, angeführt von einem „Beispiel weiblicher Eleganz“ auf der einen Seite und Angela Merkel auf der anderen. Die Deutschen sollten sich allerdings überlegen, ob man mit Guido Westerwelle einen würdigen Repräsentanten für Deutschland gewählt habe. Schon einmal, bei der Entsendung Guildo Horns zum Grand Prix d’ Eurovision, hätte man im Ausland in erster Linie Kopfschütteln geerntet. Doch Alfons teilt auch bei seinen Landleuten aus, etwa wenn er über die märchenhafte Liaison zwischen dem Schneewittchen Carla Bruni und dem Zwerg Nicolas Sarkozy lästert oder davon schwärmt, wie ihm seine Freunde bei seiner letzten Rückkehr in die alte Heimat Argentueil, einer Vorstadt von Paris, anlässlich seines 42. Geburtstags 42 Autos angezündet hätten. So ist eben der Spott dieses Till Eulenspiegels mit französischem Akzent alles in allem recht ausgewogen, und meist wohltuend berechtigt.

 

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